Fachinformation für CONOXIA® LO2X
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CONOXIA®LO2X
100%
Gas zur medizinischen Anwendung, kälteverflüssigt
2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung
1,00L medizinisches Gas enthält als arzneilich wirksamen Bestandteil: Sauerstoff 1,00L.
Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile: s. Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Gas zur medizinischen Anwendung, kälteverflüssigt, im ortsfesten Behältnis für kälteverflüssigte Gase (Tank-Verdampfer-Anlage).
Klare, hellblaue, sehr kalte Flüssigkeit, die unter Umgebungsbedingungen schnell verdampft unter Bildung eines farb- und geruchlosen Gases.
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Zur Behandlung und Prophylaxe von hypoxischen und hypoxämischen Zuständen.
4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung
Die individuellen Dosierungen sind entsprechend
der Indikation und den unterschiedlichen
apparativen Formen der Sauerstoffverabreichung
zu wählen.
Hypoxie ist in den meisten Fällen eine Manifestation
einer anderen Grunderkrankung
und die Sauerstofftherapie kann nur als eine
symptomatische und vorübergehende Therapie
aufgefasst werden. Die Sauerstoffanwendung
ist eine Therapie bei allen Formen
der Hypoxie; dabei sollte erkannt werden,
dass der Erfolg der Therapie vom zugrunde
liegenden pathophysiologischen Prozess
abhängig ist.
Bei Patienten mit Spontanatmung kann die
Sauerstoffgabe über Nasensonde oder
Maske erfolgen. Bei beatmeten Patienten erfolgt
die Sauerstoffzufuhr über einen endotrachealen
Tubus. Es ist dafür zu sorgen,
dass eine ausreichende Befeuchtung und
Temperatur des zugeführten Gases garantiert
sind.
Die Sauerstoffzufuhr sollte individuell dem
Krankheitsbild und dem klinischen Zustand
des Patienten entsprechend in der Menge
(FiO2) angepasst werden. Der Volumenanteil
von Sauerstoff sollte durch wiederholte Messungen
des Sauerstoffpartialdruckes im arteriellen
Blut (PaO2) und/oder durch kontinuierliche
Pulsoxymetrie kontrolliert und gegebenenfalls
korrigiert werden. Für die Einstellung
der inspiratorischen Sauerstoffkonzentration
genügt eine Konzentration, die zu
einem Anstieg des PaO2 in den Normbereich
von 70 – 105 mm Hg führt.
Art und Dauer der Anwendung
CONOXIA®LO2X ist nach Verdampfung zur Inhalation oder zur Beatmung bestimmt.
Die Dauer der Anwendung hängt weitgehend vom
individuellen Krankheitsbild des Patienten ab. Sobald eine für den Patienten vertretbare arterielle Sauerstoffspannung erreicht wird (70-105mm Hg)
sollte der prozentuale Anteil des Sauerstoffs kontinuierlich reduziert werden. Ganz allgemein - auch für den beatmeten Patienten - gilt,
dass die Dauer der höher konzentrierten Sauerstoffanwendung so kurz wie möglich zu halten ist.
4.3 Gegenanzeigen
Keine.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Die Anwendung einer Therapie mit hohenSauerstoffkonzentrationen bei Patienten mit einer über längere Zeit bestehenden erhöhten
arteriellen CO2-Konzentration (z.B.COLD) ist nur unter geeignetem Monitoring (z.B. Pulsoxymetrie, Blutgasanalysen) durchzuführen.
Bei Patienten mit einer respiratorischen Globalinsuffizienz ist der Atemantrieb durch O2-Mangel noch wirksam, wenn der CO2-Antrieb durch
Hyperkapnie (PaCO2 60mm Hg ) schon ausgefallen ist. Daher bringt man solche Patienten durchunkontrollierte O2-Gabe in Lebensgefahr, weil ihnen
damit der letzte Atemantrieb weggenommen wird.
Grundsätzlich ist bei jeder länger andauernden O2-Gabe unter Spontanatmung oder Beatmung ein geeignetes Monitoring
(Pulsoxymetrie und/oder Blutgasanalysen) geboten, um die respiratorische Gesamtsituation zu beurteilen.
In der Neonatologie kann ein erhöhter PaO2 zur Ausbildung einer retrolentalen Fibroplasie führen. Das Risiko einer
retrolentalen Fibroplasie besteht, wenn der eingestellte FiO2 einen PaO2 von mehr als 80mm Hg
über 3 Stunden bei Frühgeborenen hervorruft, deren Alter (Gestationsalter + Lebensalter) weniger als 44 Wochen beträgt.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Keine.
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
CONOXIA®LO2X kann bei bestimmungsgemäßem Gebrauch unter Einhaltung der
gebotenen Vorsicht während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Keine.
4.8 Nebenwirkungen
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:
Sehr häufig ≥ 1/10
Häufig ≥ 1/100 bis < 1/10
Gelegentlich ≥ 1/1000 bis < 1/100
Selten ≥ 1/10 000 bis < 1/1000
Sehr selten < 1/10 000
Nicht bekannt: Häufigkeit auf der Grundlage der Verfügbaren Daten nicht abschätzbar.
Bei einer Behandlung mit 50 % Sauerstoff bis zu 7 Tagen sind keine klinisch bedeutenden Symptome beobachtet worden.
Erkrankungen der Atemwege
100% Sauerstoff über 24 Stunden verabreicht kann jedoch zu Zellveränderungen des Alveolarepithels, zur Sekreteindickung, Einschränkung der Ziliarbewegung,
Atelektasen und damit zu einer CO2-Retention führen.
Darüber hinaus besteht die Gefahr des Auftretens von pulmonalen Hämorrhagien, lokalen Atelektasen und hyalinen Membranschäden.
Bei unsachgemäßer Verabreichung kann es zur Austrocknung der Schleimhäute kommen.
Augenerkrankungen
Bei Neugeborenen, vor allem aber bei Frühgeborenen, kann eine lang anhaltende Sauerstoffgabe zu einer retrolentalen Fibroplasieführen (s.o.).
4.9 Überdosierung
Eine 100% Sauerstoffbeatmung führt schon nach sechs bis acht Stunden zu einer Verringerung der trachealen Schleimbewegung. Symptome der
tracheobronchialen Irritation und ein Engegefühl im Brustkorb werden bereits nach zwölf Stunden beobachtet. Erhöhte alveolare Permeabilität
und Entzündung zeigen sich nach 17 Stunden. Nach 18-24 Stunden dauerhafter Exposition kommt es zur Einschränkung der Lungenfunktion.
Es kommt zu einer Endothelverletzung mit Ansammlung interstitieller und alveolarer Flüssigkeit mit einer Herabsetzung der kapillaren Gasaustauschfläche.
Bei längerer Zufuhr von 40% und mehr wirkt Sauerstoff zelltoxisch aufgrund der Hemmung von Oxydationsenzymen, die Sulfohydrylgruppen enthalten,
sowie aufgrund der Produktion von hochreaktiven Radikalen. Besonders empfindlich reagierendabei die alveolaren Epithelzellen.
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe
Medizinische Gase
ATC-Code: V03AN01
Sauerstoff ist ein Bestandteil der Luft (20,9 %) und ist für die Aufrechterhaltung von
Lebensfunktionen notwendig.
Die arterielle Sauerstoffspannung (PaO2) ist zusammen mit der PaCO2 und der H+-Konzentration
die wichtigste Zielgröße der Atmung. Die Höhe dieser Parameter wird von
Chemorezeptoren im Glomus caroticum und im Aortenbogen registriert und an Neurone in
der Medulla oblongata weitergeleitet. Von hier aus erfolgt dann eine Steuerung der
Ventilation, so dass über diesen Regelmechanismus die arterielle Sauerstoffspannung im
physiologischen Bereich gehalten wird.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Sauerstoff wird mit der Atmungsluft in den Respirationstrakt aufgenommen und gelangt
aufgrund verschiedener Partialdruckgradienten bis zu den Gewebszellen bzw. den
energieliefernden Zellorganellen. Der größte Sauerstoffanteil wird chemisch im Blut an
Hämoglobin gebunden (21 ml/100 ml Vollblut). Ein wesentlich kleinerer Anteil wird
physikalisch gelöst, bei einem normalen PaO2 von 100 mm Hg sind es 0,3 ml O2/100 ml
Vollblut.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Aus präklinischen Untersuchungen liegen keine Erkenntnisse vor, die nicht bereits in
anderen Abschnitten der Fachinformation erwähnt sind.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Keine.
6.2 Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
Die Haltbarkeit bzw. Gebrauchsdauer ist aus technischen Gründen begrenzt und richtet sich nach Größe und Typ des ortsfesten Behältnisses für
kälteverflüssigte Gase (Tank-Verdampfer-Anlage). Die Qualität ist über die technisch beschränkte Gebrauchsdauer einer
Charge (Tankfüllung) gewährleistet.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Es handelt sich um ein Fertigarzneimittel, dessen Qualität insbesondere durch den in-dustriellen Herstellungsprozess bis hin zu den ortsfest
beim Verbraucher (z.B. Krankenhaus) installierten Behältnissen (Tank-Verdampfer-Anlagen) sowie durch deren ordnungsgemäßen Betrieb
gewährleistet ist. Der Umgang mit kälteverflüssigtem Sauerstoff erfordert zudem besondere Vorsicht - auf die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen
zum Umgang mit Sauerstoff bzw. tiefkalt verflüssigten Gasen wird hingewiesen.
Der Zugang zu den ortsfesten Cryo-Behältnissen (Tank-Verdampfer-Anlagen) ist daher nur autorisiertem Personal zu gewähren.
Besonders folgende Aspekte sind zu beachten:
- Sauerstoff unterstützt die Verbrennung kräftig, daher sind brennbare Stoffe von den ortsfesten Behältnissen für kälteverflüssigte Gase
(Tank-Verdampfer-Anlagen) fernzuhalten! Bei sauerstoffdurchsetzter Kleidung besteht erhöhte Unfallgefahr! Anreicherung von Sauerstoff
in geschlossenen Räumen erhöht die Brandgefahr; es gilt Rauch- und Feuerverbot, mögliche Zündquellen sind zu beseitigen. Die Räume müssen
intensiv gelüftet werden.
- Kälteverflüssigter Sauerstoff kann bei unsachgemäßer Entnahme Erfrierungen bzw. Kaltverbrennungen verursachen; insbesondere die Augen
können durchSpritzer geschädigt werden. Aus diesem Grund muss geeignete Schutzkleidung getragen werden (Handschuhe, Schutzbrille,
nicht eng anliegende Kleidung und über die Schuhe fallende Hosen). Bei Kontakt von kälteverflüssigtem Sauerstoff mit der Haut oder mit den Augen
müssen diese Bereiche sofort mit großen Mengen kaltem Wasser oder kalten Kompressen behandelt werden; bei derartigen Verletzungen ist sofort
ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Es sind nur für Sauerstoff zugelassene Armaturen zu verwenden; diese sind ordnungsgemäß anzuschließen. Alle Armaturen, nachgeschalteten
Leitungen und Geräte müssen öl- und fettfrei sein!
- Ein Rückströmen oder das Eindringen von Wasser (Feuchtigkeit) in die ortsfesten
Cryo-Behältnisse (Tank-Verdampfer-Anlagen) ist zu verhindern.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Größe und Inhalt der ortsfesten Cryo-Behältnisse (Tank-Verdampfer-Anlagen) - bezogen auf kälteverflüssigten
Sauerstoff bei -183 °C - sind in der folgenden Tabelle dargestellt:
mehr als |
bis zu |
|---|---|
1.500 L |
|
1.500 L |
2.000 L |
2.000 L |
3.300 L |
3.300 L |
4.700 L |
4.700 L |
6.200 L |
6.200 L |
7.000 L |
7.000 L |
12.000 L |
12.000 L |
20.000 L |
20.000 L |
26.500 L |
26.500 L |
31.000 L |
31.000 L |
41.000 L |
41.000 L |
49.000 L |
49.000 L |
50.000 L |
50.000 L |
60.000 L |
Umrechnungszahlen für Sauerstoff
| gasförmig [m³] (15 °C, 1,013 bar) |
flüssig [L] (-183 °C, 1,013 bar) |
Masse [kg] |
|---|---|---|
1 |
1,172 |
1,337 |
0,853 |
1 |
1,141 |
0,748 |
0,876 |
1 |
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
CONOXIA®LO2X ist ein medizinisches Gasin kälteverflüssigtem Zustand, das erst nach Verdampfung (Überführung
in den gasförmigen Zustand) zur Inhalation oder Beatmungverwendet werden darf.
Siehe auch Ausführungen unter 6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung.
7. Inhaber der Zulassung
Linde Gas Therapeutics GmbH
Landshuter Str. 19
85716 Unterschleißheim
Tel.: 089. 37 00 00
Fax: 089. 37 00 03 71 00
medizinische.gase@de.linde-gas.com
www.linde-gastherapeutics.de
6471084.00.00
9. Datum der Zulassung / Verlängerung der Zulassung
Datum der Zulassung: 22.12.2005
10. Stand der Information
März 2009
11. Verkaufsabegrenzung
Freiverkäuflich nach § 45 AMG.

